Vegetarisch oder Vegan – Ist Vegetarismus scheinheilig?

Ich selbst bin Vegetarier, denn ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass für die Befriedigung meiner Geschmacksnerven Lebewesen gequält und getötet werden. Doch immer häufiger stellt sich die Frage, ob Vegetarismus nicht ein Stück weit scheinheilig ist. Was ist denn nun die ethisch richtige Ernährungsform? Vegetarisch oder doch vegan?

Was den Vegetarier vom Veganer unterscheidet ist der Konsum von tierischen Produkten, welche jedoch nicht das Töten der Tiere zur Folge hat. Also konsumiert der Vegetarier weiterhin Milchprodukte und Eier. Und da er kein Fleisch, keine Wurst und keinen Fisch isst (ein echter Vegetarier isst keinen Fisch!), wähnt er sich natürlich aus ethischer Sicht auf der Sonnenseite des Gewissens.

Doch wie sieht die Realität nun wirklich aus? Der Traum von grünen Weiden, Kühe die dankbar sind, dass sie gemelkt werden und die Hühner, die frei über den Hof stolzieren. So in etwa malt man sich die aktuelle Situation aus, wenn man Eier aus Freilandhaltung und die Milch im Tetrapack besorgt. Doch die Realität sieht anders aus, wesentlich düsterer, brutaler und gar nicht so ethisch korrekt.

Milchproduktion

Milchkuhhaltung in DeutschlandEine Kuh bettelt nicht darum, ihre Milch abgeben zu können. Im Gegenteil, eine Kuh gibt eigentlich nur dann Milch, wenn sie gekalbt hat. Und so passiert bei vielen Milchbauern folgendes:

Die Kuh muss regelmäßig kalben, damit sie auch weiterhin Milch geben kann. Ist das Kalb weiblich, darf es zukünftig das gleiche Schicksal teilen. Ist das Kalb jedoch männlich, so freut sich der Schlachter. Damit das Kalb aber nicht die wertvolle Milch verbraucht, wird es nach der Geburt von der Mutter getrennt und mit Ersatznahrung gefüttert. Die Schreie von Mutterkuh und Kalb sollen herzzerreißend sein, so sagt man sich.

Darüber hinaus sind aber auch die anderen Bedingungen der Haltung nicht artgerecht. In vielen Betrieben werden die Kühe Reih in Glied angekettet und fristen dort ihr Dasein. Nichts als Stall, Urin, Fäkalien und die regelmäßige Zwangsmelkung ist das, was man aus Sicht einer Milchkuh als Alltag betrachten kann.

Eierproduktion

Legehennen in DeutschlandIm Supermarkt hat man die Wahl zwischen Bodenhaltung und Freilandhaltung. Käfighaltung wurde zum 01.01.2010 verboten. Gott sei Dank wie man anmerken muss, immerhin zählte bis zu dieser Zeit ein Platzangebot von 0,55 qm zum Durchschnitt, für vier bis sechs Hühner wohlgemerkt.
Inzwischen fasst man die Legehennen in so genannte Kleingruppen zusammen. Leider ist dieser Zustand durchaus mit der Käfighaltung zu vergleichen.
Aber auch die Bodenhaltung ist nichts anderes, als eng zusammen gepferchte Hühner im dunklen und verdreckten Stall. Bei vielen Mogelpackungen die sich „Freilandhaltung“ nennen, sieht dies leider nicht anders aus.

Alles in Allem muss man also feststellen, dass die Verwendung von tierischen Milchprodukten und Eiern alles andere als ethisch vereinbar ist. Gleichwohl fällt auch mir persönlich der Übergang zur veganen Lebensweise doch unheimlich schwer. Um jedoch auch als Vegetarier mit gutem Gewissen solche Produkte genießen zu können bleibt wohl nichts anderes übrig, als Milch und Eier direkt beim nahegelegenen Biohof zu kaufen. Und auch nur deshalb, weil ich dort sehe, was passiert.

(Bilder zur Verfügung gestellt von PETA)

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